 |
| Foto: Design wie nicht von dieser Welt - in dieser Feststellung ist mehr Wahrheit als auf den ersten Blick erscheint, ist es doch selten, dass jemand etwas wirklich Neues schafft, wie hier Ingo Maurer seine Don Quixote Tischleuchte. |
Erst kürzlich, beim netten Zusammensitzen mit Freundinnen, wurde eine von ihnen ernst und fragte: „Wie stellt ihr euch euer Leben in sagen wir mal 5 bis 10 Jahren vor?“ Die Reaktionen füllten den gesamten restlichen Abend mit allerlei Diskussionen und Spekulationen. Bittet man Menschen, die Zukunft zu beschreiben, sind zwei Phänomene zu beobachten: Entweder formuliert die Person ein völlig konträres Bilder zum Ist-Zustand oder noch viel häufiger schildert sie einen optimierten Status Quo. In jedem Fall scheint
eine Zukunft ohne Bezugspunkt im Heute undenkbar. Dieser Zusammenhang wird besonders in der
Funktionalität und im Design der uns umgebenden Dinge deutlich. Oder wieso haben wir alle noch immer die fixe Idee, ein Smartphone hätte etwas mit dem Telefon aus unserer Jungend gemein?
Manche mögen es Nostalgie nennen, ich sage der Mensch kann gar nicht anders, als jede Vision aus der Gegenwart zu schaffen.
So wie wir in der Beschreibung unserer eigenen Zukunft gerne einfach das
Jetzt verklären, so übernehmen die Designer alte oder bestehende
Dinge und transportieren sie im Heute durch neues Material oder neuere Technik. Damit wäre
Design - vom Leben oder von Leuchten - genau genommen nie eine
Innovation, sondern stets ein Optimierungsprozess. In welche Richtung
sich die vermeindliche Verbesserung bewegt, hängt von der individuellen
Situation ab.
 |
| Foto:
Jahrzehntelang nur ein schnödes Leuchtmittel, kaum verboten, ein
faszinierendes Designobjekt - die Glühlampe, wie hier bei der Artemide Miconos Tavolo, steht im Fokus des Designs. |
Man sagt, man vermisst erst etwas oder jemanden, wenn es oder er weg
ist. So prägt das Verbot der Glühlampe eine ganze Generation von
Designern, die
dem Urquell des künstlichen Lichts daraufhin Tribut zollten.
Einige gingen auch so weit, die Form der Glühlampe in ihrem Ursprung zu
bewahren und einfach die Technik gegen beispielsweise eine LED oder
Stecksockellampe zu tauschen. Wenn es nicht Wehmut, sondern eher Zeitgeist ist, der den Optimierungsprozess motiviert, entstehen hingegen oft ganze
Leuchtenfamilien, die sich in ihrer Urgestalt ähneln, jedoch in Farbigkeit, Material und Energieeffizienz unterscheiden wie beispielsweise die
Artemide Tolomeo Familie.
Doch was genau ist der
Unterschied zwischen echter Innovation und einer Weiterentwicklung? Es ist die Inspirationsquelle, die unsere Kreativität anregt. Bei einem Optimierungsprozess bewegt sich unser Blick von einer Ausgangssituation auf einen darauf aufbauenden "besseren" Zustand. Verlassen wir aber unsere bekannte Umgebung, dann lassen wir uns von der Natur, von einer Farbe, einem Gebirge oder einer Geschichte inspirieren. Zurück in unserer eigenen Welt nutzen wir die neuen Bilder, filtern sie durch die Vorgaben des Designs und
schaffen so etwas wahrlich neues, noch nie Dagewesenes.
Es heißt aber auch
"Never change a running system." Was im Jahr der Veränderungen seltsam klingt, trifft oftmals gerade im Design den Nerv der Zeit. Ist es nicht so, dass jeder Designer hofft, einmal etwas zu entwerfen, das die Zeiten überdauert - oft kopiert, doch nie erreicht?
Ein Entwurf, der so zeitlos ist, dass eine Optimierung kaum vorstellbar ist? Diese überhöhte Ziel ist die Motivation hinter jedem neuen Design. Wenn ich mich also frage, was in 5 bis 10 Jahren sein wird, dann sage ich natürlich "Ich bin Königin und die ganze Welt ist schön!", denn nur wer träumt, wird auch das Unmögliche möglich machen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen