Donnerstag, 22. September 2011

Kelvin, Lumen, Lux und Watt ist was? Erleuchtende Begriffe ins rechte Licht gerückt.

Foto: Der Wandkerzenhalter Luna Parete von Catellani & Smith bietet ein wohlig warmes Licht.
Ich sehe was, was du nicht siehst: Die visuelle Wahrnehmung des Menschen ist sein stärkster Sinn und dominiert Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Durch diese Dominanz sind wir besonders anfällig für optische Täuschungen und empfindlich bei falscher Beleuchtung. Vielleicht sehen wir nicht immer aktiv einen Unterschied in der Lichtqualität, aber passiv steigt bei uns ein komisches Gefühl auf, ein sechster Sinn, wenn das Licht zu kalt, zu hell oder zu blau ist. Ein ebenso ungutes Gefühl haben wir, wenn uns mal wieder Begriffe, wie Watt, Kelvin, Lumen oder Lux, begegnen und wir nicht so recht wissen, was was und vor allem was wichtig ist. Gegen beide Probleme – falsche Beleuchtung und undurchsichtiger Begriffswald – ist ein Kraut gewachsen! Lesen Sie selbst:


Foto: Die Artemide Yang Tisch- und Bodenleuchte erzeugt unzählige farbliche Lichtstimmungen.
Im rechten Licht: Das menschliche Farbsehen ist evolutionsbedingt an den Wechsel von Tag und Nacht sowie Frühling, Sommer, Herbst und Winter angepasst. Morgens und abends erreicht uns von der Sonne eher rotes, mittags blaues Licht. Daran hat sich unser Gehirn so sehr gewöhnt, dass wir den ganzen Tag lang die Dinge im gleichen Licht wahrnehmen, obwohl das Licht sich ändert. Das ist auch gut so, denn ansonsten würde beispielsweise unser Essen ständig anders aussehen. Diese Farbunterschiede des Lichtes werden mit Kelvin übersetzt, der Einheit (K) für die Farbtemperatur. Je niedriger die Farbtemperatur Kelvin ist, umso rötlicher wirkt alles. Je höher die Kelvinzahl ist, desto blauer wirkt die Umgebung. Anders als beim natürlichen Licht, merken wir die Unterschiede beim künstlichen Licht sehr wohl.

Als angenehm warm empfinden wir rötliches Licht. Deshalb fühlen wir uns bei Kerzenlicht mit einer sehr niedrigen Farbtemperatur von ca. 1500 Kelvin besonders behaglich. Und deshalb lieben wir die gute alte Glühlampe, die ca. 2200 Kelvin (bei 40 Watt) hat. Halogenlampen liegen bei noch recht angenehmen ca. 3000 Kelvin. Leuchtstofflampen (neutralweiß) kommen schon auf 3500 bis 5000 Kelvin, ungefähr 6000 Kelvin haben Tageslichtlampen. LEDs können schließlich je nach Blauanteil nahezu das ganze Spektrum abdecken.

Foto: Die Flos Kelvin LED Tischleuchte schafft mit 30 TOP LEDs warmweißes Licht mit 450 Lumen.
Alt bekannt? Wir alle wissen was Watt bedeutet, oder? Viele denken, die Wattzahl gibt die Helligkeit an, doch eigentlich sagt sie nur etwas zum Stromverbrauch. Das war in der Ära der Glühlampen ein wichtiges Kriterium für den Kauf eines Leuchtmittels. Heute, in der Zeit der Energieeffizienz, rückt dieser Wert in den Hintergrund, weil auch bei sehr niedrigen Wattzahlen eine hohe Helligkeit erzeugt werden kann. Und weil die Qualität des Leuchtmittels immer entscheidender wird, denn bei 40 Watt kann der Lumenwert stark schwanken.

Lumen? Noch nicht so verbreitet in den Köpfen, doch mittlerweile auf den meisten Leuchtmittel-Verpackungen zu finden, ist die Einheit für Lichtstrom, also die Helligkeit einer Lichtquelle. Dieser Wert wird in Zukunft unsere Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen. Eine 40 Watt Glühlampe hat ca. 400 Lumen (lm). Alle anderen Leuchtmittel holen aus einem Watt mehr Lumen raus, sind also effizienter.

Ohne jetzt völlig verwirren zu wollen, muss ich in diesem Zusammenhang noch auf die Lichtausbeute zu sprechen kommen. Lichtausbeute bedeutet Lumen pro Watt. Mit diesem Wert kann die Wirtschaftlichkeit von Leuchtmitteln sehr gut verglichen werden. Glühlampen erreichen ca. 10 Lumen pro Watt – eine High-Power-LED ca. 90 Lumen pro Watt. Übrigens erreicht eine Kerze ca. 0,1 Lumen pro Watt. Eine Kompaktleuchtstofflampe mit nur 5 Watt kommt auf ungefähr 45 Lumen pro Watt, also ca. 225 Lumen.

Wer es noch genauer wissen möchte, der schaut auf den Luxwert, die Beleuchtungsstärke. Lux (lx) ist, im Gegensatz zur festen Größe Lumen, ein relativer Wert, der den Lichtstrom (Lumen) auf einer bestimmten Fläche misst, also lm/m2. Dieser Wert ist Gold wert, wenn es darum geht, herauszufinden, ob beispielsweise ein Arbeitsplatz ausreichend ausgeleuchtet ist. Unsere Kerze hat bei einem Abstand von einem Meter eine Beleuchtungsstärke von einem Lux, also 1 Lumen pro Quadratmeter. Im Vergleich umfasst eine normale Zimmerbeleuchtung 500 Lux. Das Besondere an Lux ist, dass wir diesen Wert mit einem so genannten Luxmeter messen können.

Mir ist bewusst, dass die Begriffe Kelvin, Watt, Lumen und Lux nicht ganz einfach sind, und wir brauchen alle sicher noch etwas Zeit, bis wir für diese einen sechsten Sinn entwickelt haben. Doch wer die Begriffe und vor allem ihre Zusammenhänge einmal richtig im Kopf hat, kann sein Zuhause oder seinen Arbeitsplatz perfekt nach eigenen Bedürfnissen ins rechte Licht rücken.